GERMA – wie ein Tool die geothermische Planung revolutioniert.
Mithilfe von Erdwärme könnte Berlin seine Klimaziele bis 2045 erreichen
Berlin steht vor einer großen Umstellung: Weg von fossilen Energieträgern, hin zu klimafreundlicher Wärme. Noch stammen rund 55 Prozent der Wärme in der Stadt aus Erdgas, etwa 30 Prozent aus Fernwärme, 13 Prozent aus Heizöl und nur ein kleiner Anteil aus erneuerbaren Energien.
Damit Berlin seine Klimaziele bis 2045 erreicht, braucht es neue Lösungen – besonders für den großen Bestand an Wohn- und Geschäftsgebäuden. Eine dieser Lösungen liegt wortwörtlich direkt unter unseren Füßen: oberflächennahe Geothermie, also Heizwärme aus den oberen Erdschichten.
Wie groß ist das Potenzial in Berlin?
Berlin verfügt über einen wahren Wärmeschatz im Untergrund. Untersuchungen der GASAG Solution Plus kommen zu dem Schluss, dass ohne zusätzliche Regeneration des Untergrunds bis zu 22 Prozent des gesamten Berliner Wärmebedarfs über oberflächennahe Geothermie und Wärmepumpen gedeckt werden könnten.
Mit vollständiger Regeneration des Untergrunds, bei der man aktiv und saisonal Wärme in den Boden zurückführt, sogar mehr als 50 Prozent des Wärmebedarfs. Das bedeutet: Rein technisch könnte die Erdwärme einen erheblichen Teil der heutigen fossilen Wärmequellen in Berlin ersetzen. Insbesondere dort, wo kein Fernwärmenetz vorliegt oder ausgebaut werden kann.
GERMA – ein Tool, das keine Fragen offenlässt
Um dieses Potenzial nicht nur grob zu schätzen, sondern für jeden Gebäudeblock zu erfassen, hat GASAG Solution Plus ein spezielles Tool entwickelt: GERMA – die Geothermal Energy Resource Mapping Analysis.
GERMA wurde im Rahmen des Forschungsprojekts UrbanGroundHeat in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin entwickelt. Es dient dazu, automatisch zu berechnen, wo und in welchem Umfang Erdwärmesonden in Berlin wirtschaftlich und technisch sinnvoll eingesetzt werden können.
Die Idee dazu entstand vor circa drei Jahren in unserem Geothermie-Team. Treibende Kraft hinter der Anwendung ist unser Projektingenieur Tim Kröger, der den Prototypen des Tools während seiner Masterarbeit angefertigt hat. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen hat er dieses nun weiterentwickelt, um es in die breite Anwendung zu bringen. In naher Zukunft soll es auch für die interessierte Öffentlichkeit nutzbar sein und die Planung von Erdsondenfeldern erheblich verschlanken.
Wie arbeitet GERMA?
Das Tool verbindet verschiedene Datenquellen und Berechnungen in einer Anwendung. Zuerst wurden alle Flächen aussortiert, auf denen keine Bohrungen möglich oder zulässig sind – etwa Straßen, Gleise, viele öffentliche Grünflächen, Natur- und Wasserschutzgebiete.
Übrig blieben vor allem Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete. Anschließend wurde für jeden Gebäudeblock berechnet, wo theoretisch Erdwärmesonden platziert werden könnten. Dafür wurden vorab klare Regeln festgelegt:
- Ausreichender Abstand zur Grundstücksgrenze und zu Gebäuden inklusive der Tiefgarage.
- Ausschluss von Flächen unter Baumkronen.
- Ein Sondenabstand von 6 Metern.
- Eine Teilfläche zählt nur, wenn dort mindestens 10 Sonden Platz finden.
So entstanden pro Block optimierte Sondenfelder, die zulässig und technisch umsetzbar sind.
Wärmebedarf und Untergrund als entscheidende Faktoren
GERMA verknüpft die definierten Flächen mit Informationen über den Wärmebedarf der Gebäude, die geologischen Verhältnisse (zum Beispiel Bohrtiefe und Wärmeleitfähigkeit des Bodens) und die vorhandene städtische Wärmeplanung, inklusive des Fernwärmenetzes.
Auf dieser Grundlage simuliert das Tool, wie viel Wärme pro Jahr aus diesen Sondenfeldern gewonnen werden könnte. Das Ergebnis ist so etwas wie ein Wärme-Atlas für den Untergrund: Für das gesamte Stadtgebiet wird sichtbar, wo oberflächennahe Geothermie potenziell einsetzbar ist und wie viel sie dort leisten kann.
Was bedeutet das für die Wärmewende in Berlin?
Das Tool macht deutlich: Geothermie ist kein Nischenthema, sondern kann einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Stadt leisten. Besonders wichtig ist sie in Quartieren ohne Fernwärmeanschluss, wo Alternativen zu Gas- oder Ölheizungen dringend gebraucht werden.
Diese gelten in der kommunalen Wärmeplanung als Gebiete der dezentralen Versorgung und Prüfgebiete. Mit einer Kombination aus Erdwärmesonden und Wärmepumpen lässt sich ein großer Teil der Grund- und Mittellast abdecken. Andere erneuerbare Quellen können ergänzend Spitzenlasten bedienen.
Von der abstrakten Idee zum konkreten Plan
Ein weiterer Vorteil: Viele geothermische Anlagen lassen sich in den vorhandenen Gebäudebestand integrieren, ohne das Stadtbild massiv zu verändern. Die Technik verschwindet größtenteils unter der Erde – sichtbare Eingriffe bleiben begrenzt.
Mit GERMA lässt sich sehr genau bestimmen, wo Erdwärme eingesetzt werden kann, wie viele Sonden sinnvoll sind und welchen Anteil des Wärmebedarfs sie decken können. Damit wird aus einer abstrakten Idee ein konkreter Plan.
- Die hier vorgestellten Ergebnisse können Sie im Detail in der Fachzeitschrift Geothermische Energie (GtE), Nr. 113, Februar 2026 nachlesen.